K.O.O.K.

K.O.O.K.Akrundgang1

Exhibition "Rundgang 2012"

Academy of fine Arts Vienna

 

 

 

 

 

 

K.O.O.K.

 

Druck auf Folie, Nähgarn

Printed transparent sheet, yarn

by Lila Silvia 2012

 

 

 

 

Der Titel beschreibt die Umkehrbarkeit von Zuständen wie "Tod und Leben" oder "Freude und Leid".  Der Begriff k.o., ursprünglich als "knocked out" also bewusstlos dem Boxjargon entnommen, beschreibt in der Umgangssprache einen Zustand der Erschöpfung. Der Ausdruck "Ok" oder auch "okay" gilt als das bekannteste Wort der Welt und stammt vermutlich aus dem amerikanischen Englisch. Es bedeutet so viel wie "Alles in Ordnung". 

 

In der Popkultur findet man K.O.O.K als Titel eines  im Jahr 1999 erschienen Albums und eines gleichnamigen Songs der deutschsprachigen Band Tocotronic. 

Dieser gilt als der erste rein englischsprachige Song, der auf einem regulären Album der Band erschien. Der minimalistische Text besteht rein aus Wiederholungen der Abkürzungen K.O.O.K. und den Sätzen " Thats what we say" und " You´re rockig that way".

 

Die Ursprünge des Werks K.O.O.K. liegen weit zurück in der Kindheit der Künstlerin, der Werktitel allerdings lässt sich in mehreren Dimensionen deuten und macht immer wieder Sinn.

 

"Als Kind schälte ich Mandarinen in einem Stück und nähte deren Schale wieder zusammen. Immer wieder erinnerte ich mich seither beim Schälen daran. 

Wenn ich dann die oft mühevoll in einem Stück gehaltene Schale wegwerfen wollte zögerte ich erst, doch dann ließ ich es geschehen." (Lila Silvia)

 

Durch die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Person im Zuge des Kunststudiums an der Akademie der bildenden Künste in Wien, hat sich Lila Silvia den Raum für ihre meist mit Gefühlen verknüpften Ideen erarbeitet.

 

"Als ich begann Kunst zu studieren, ergaben verschiedenste Dinge nicht unbedingt mehr Sinn, aber ich erlaubte mir endlich meinen "nichts bringenden" & "absurden" Ideen zu folgen und diese zu erforschen.  So fand ich schließlich den notwendigen und passenden Raum, um diese zunächst wirren Gedanken zu ordnen und auszuarbeiten. Ihnen schließlich durch das Ventil der Kunst in einer von mir gegebenen Form die Freiheit zu schenken."  (Lila Silvia)

 

Eine jener immer wiederkehrenden Kindheits-Ideen, wie zum Beispiel Geteiltes wieder zusammenzufügen, wiederherzustellen, Unumkehrbares umzukehren, wird von der Künstlerin als Heilsakt beschrieben, den sie schon in ihrer Kindheit als beruhigend empfunden habe. 

Es sind rückblickend erste frühkindliche Auseinandersetzungen mit Bruchlinien im Leben, in der Familie, in der Gesellschaft. 

Auseinandersetzungen, die sie Jahre danach mit Hilfe des Kunstschaffens nachvollzieht und umsetzt.

 

Es folgte die Auseinandersetzung mit dem Kunstbegriff an sich. Was ist Kunst?

Durch Internet-Recherchen stößt die Künstlerin auf Arbeiten von der New Yorker Künstlerin Zoe Leonard. Diese hatte zwischen 1992 und 1997 ganz ähnliche Arbeiten mit, durch diverse Techniken wieder zusammengefügten, meist aber auch genähten Fruchtschalen geschaffen. Hier waren es Bananen, Avocados, Grapefruits, 

sowie auch Mandarinen.

 

Im Falle von Leonard ist der Auslöser für das Nähen und Reparieren diverser Früchte klar der Tod des ihr nahestehenden Künstlers und Freundes David. 

So erklärt sich auch der Titel strange fruits for David.

 

Für Lila Silvia ist der intime, kindliche Akt des Heilens nun nicht mehr so unverständlich und einsam. Zwei Künstlerinnen teilen einen Prozess und sind so nicht mehr allein.

In Folge beschäftigt sich Lila Silvia nicht mehr nur mit ihrem eigenen kindlichen Schaffungsprozess der "geheilten" Mandarine, sondern auch mit der Arbeit von Zoe Leonard. 

 

Außerdem sieht sich die Künstlerin im Kontext mit strange fruit von Leonard mit der Frage nach der Einzigartigkeit des Werkes konfrontiert. 

Welche Bedeutung hat der "you are not alone" -Gedanke in der Kunst und für die Kunstschaffenden.

 

Nun setzt sich Lila Silvia auch mit Begriffen wie Duplikat, Reproduktion oder Kopie auseinander.

 

Sie beschließt die Mandarinenschale auf Plastikfolie zu kopieren und erst anschließend zu nähen.

Der Betrachter findet nun unter dem Titel "K.O.O.K." eine hohle Mandarine aus Plastik, die beleuchtet einem Lichtobjekt ähnelt. 

Das Objekt ist aus der zweidimensionalen Farbkopie einer, in einem Stück geschälten, Mandarinenschale geformt. 

Das Werk ist gerundet, dreidimensional und mit weißem Garn zusammengehalten.  

Es mag den Betrachter auf den ersten flüchtigen Blick vielleicht an eine Tomate oder an einen Baseball erinnern, wie es so genäht in der kleinen Vitrine "aufgebahrt" ist. 

 

Die Materialwahl transportiert das Objekt in die Gegenwart und konserviert es für die Zukunft.

Selbst die Zeit kann dem Abbild der Mandarine

K.O.O.K. von Lila Silvia nun nichts mehr anhaben.